Fenja und das Schreiben - Fenja Wächter - Gay Romance Autorin

Fenja Wächter
Autorin für Gay Fantasy, Gay Dystopie
& Gay Romance
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Wie viel Realität steckt in meinen Dystopien?

Fenja Wächter - Gay Romance Autorin
Veröffentlicht von in Fenja sinniert · 27 Mai 2020
Je nach Genre stehe ich als Autorin doch immer wieder vor der Frage, ab welchen Punkt ich mich an gegebene Fakten halte oder Änderungen im Sinne einer gewissen künstlerischen Freiheit vornehme – auch, oder gerade wenn, diese (noch?) nicht wissenschaftlich belegt sind.

Bei Fantasy ist das, wie ich finde, noch recht einfach, aber bei Dystopien sieht das schon wieder ganz anders aus.



Dieser Satz ist (nach dem Traum, der mir die Idee brachte) der Kern meiner Fatum Corporation Reihe.

In meinem dystopischen Setting haben sich durch eine weltweite Klimakatastrophe unsere Lebensbedingungen verändert. Der Meeresspiegel stieg an, wodurch eine erhebliche Fläche an Landmasse verschwunden ist. Viele Menschen ließen aufgrund der extremen Umweltbedingungen ihr Leben, was letztendlich zum Kollaps der uns bekannten Systeme (Regierungen) führte.

Das hierdurch entstandene Machtvakuum wurde in meinem Setting durch Unternehmen geschlossen, die unter dem Mutterkonzern »Fatum Corporation« zusammenkamen.

Der Vergleich von heute zu 2120
Über unseren Einfluss auf die Umwelt brauche ich, denke ich, nichts sagen und dass ein Unternehmen eine Regierung ablöst, halte ich persönlich für nicht abwegig. Auch nicht in dem Maße, wie ich es mit »Fatum Corporation« umgesetzt habe.

Unternehmen agieren weltweit und nehmen bereits heute großen Einfluss auf die Politik und deren Entscheidungen. Wenn diese Unternehmen (die zum Teil auch essentiell für unsere Versorgung sind) im Falle eines Zusammenbruchs unter einem Mutterkonzern vereint werden und die gleiche Ausrichtung haben, gehe ich stark davon aus, dass es machbar ist.

Der Kern dessen, was stets gleich bleibt: Der Mensch.

Oder, um es mit Nathan Ryders Worten in Band 2 - Blutgeld zu sagen:

Ich gehörte zur vierten Generation nach dem globalen Zusammenbruch. Die Zeit davor sei schlecht gewesen, hieß es, und viele Dinge hätten sich seitdem zum Besseren gewandelt. Der Konzern Fatum Corporation hatte jegliche Regierungen abgelöst und die Welt geeint. Er hatte zu Frieden, Wohlstand und dergleichen Geschwätz geführt. Was dabei unberücksichtigt blieb, war die einzige Konstante: der Mensch. Wer Macht besaß, nutzte sie aus. Daran hatte sich nichts geändert und würde es wohl auch nie.

Die traurige Wahrheit hinter »wie viel Realität steckt in Fiktion«
Als ich damals mit dem Schreiben der Reihe anfing, waren Klimakatastrophe und Unternehmen, die sich im eigenen Interesse in Belange von Regierungen einmischen, greifbarer, als noch die Epidemie, die ich in »Gefährder« aufgegriffen habe. Dabei war mir die grundsätzliche Problematik von Globalisierung und verbreitungsfreudigen Viren durchaus bekannt. Corona war da noch in weiter Ferne und ich hätte auch im Leben nicht geglaubt, so etwas einmal mitzuerleben.

In »Gefährder« blieb es durch entsprechende Maßnahmen bei der Epidemie. Hier muss man aber auch ganz klar sagen, dass diese Vorkehrungen in der heutigen Zeit – zum Glück! – nicht umsetzbar sind.

Im Nachhinein betrachtet, ist es erschreckend, wie fern Dinge für uns sind, solange wir selbst nicht persönlich betroffen sind (auch, wenn wir es grundsätzlich besser wissen – sollten).

Was am Ende bleibt
Um auf meine Frage nach Fakten oder künstlerischer Freiheit zurückzukommen:

Wissen ist wichtig, es bildet die Grundlage für meine Überlegungen. Aber am Ende kommt es in Fiktion womöglich doch weniger auf die (aktuellen) Fakten an, als um die ethischen Fragen, die dahinter stehen.



Ein provokanter Satz? Mag sein. Aber ein Funken Wahrheit steckt schon in ihm und ehrlich gesagt habe ich auf die Frage auch keine Antwort. Was ich dafür aber weiß, dass ein wenig Rücksichtnahme und Umsicht bisher noch niemandem geschadet haben. Auch, oder gerade wenn ihr die derzeitige Situation lächerlich finden solltet und selbst nichts von den Regeln etc. halten mögt. Dann tut es bitte für eure Mitmenschen. Es ist eben nicht so wie in meiner »Fatum Coporation« Reihe und leider auch noch in vielen Ländern in unserer heutigen Zeit. Bei uns gibt es einen Grund – Menschenleben zu schützen! – und keine willkürliche Entscheidung, die dann mit Gewalt durchgesetzt wird. Das ist in meinen Augen ein Unterschied, den wir schätzen sollten. Andere Menschen haben dieses Glück nicht.


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